Viele Menschen wollen in unserem geliebten Fußball nichts weiter sehen als 22 Männer wie Frauen, die einem Ball nachjagen. Dem widersprechen wir Fußballfans entschieden. Immerhin hat die schönste Nebensache der Welt Vieles mehr zu bieten als sinnloses „Herumhirschen“ auf den Wiesen dieser Welt. Aber wie soll man schon einem bekennenden Fußballgegner die Liebe zum runden Leder eintrichtern, wenn selbst Leute, die am Tagesgeschehen der Vereine weltweit involviert sind, diese nicht ganz verstehen wollen. Fußball hat eine langjährige Geschichte und lebt heute wie damals von der Emotion am, sowie rund um den Platz. Aus kleinen familiären Vereinen wurden große Traditionsvereine. Aus Ascheplatz mit Bierbank-Tribüne wurden mächtige Stadien und mittlerweile gar Arenen. Die Popularität dieses Sports nimmt praktisch seit Bestehen immer weiter zu und gilt somit auch als ein hervorragender Nährboden für Schädlinge mit überdurchschnittlichem Geldbörserl.
LIVERPOOL FOR YOU AND ME
In England ist es mittlerweile gang und gäbe, dass sich superreiche Unternehmer und Öl – Scheichs neben Frauen, Palästen und millionenschwere Yachten nun auch mit traditionsreichen Fußballklubs schmücken. Ob Manchester United, Manchester City, FC Liverpool, West Ham United oder der FC Chelsea – viele Klubs in England sind bereits in der Hand von arabischen, russischen oder amerikanischen Großunternehmern. – Tendenz steigend. Immerhin gilt England als die Top – Adresse des Weltfußballs. Für die einen Klubbesitzer gilt es als Hobby, für einen anderen als Herzensaufgabe, für andere wiederum als kluge Geschäftsidee. Die Identität der einzelnen Vereine wird damit immer undurchsichtiger. Tradition und Fans werden vermehrt mit Füßen getreten. Seit der Öffnung des Marktes für Investoren aller Welt explodierten die Eintrittspreise im Mutterland des Fußballs. Fans, welche die Mannschaft lautstark bei den Spielen unterstützten, waren nicht mehr gern gesehen bzw. konnten sich die überteuerten Eintrittspreise sowieso nicht leisten. Von der romantischen Vorstellung eines Fußballklubs, wo Verein für Fan und umgekehrt da war, ist wahrlich nichts mehr übrig. Stattdessen spricht man jetzt von Wirtschaftsunternehmen. Aus Fans wurden Kunden und Zuseher, aus Stehplätzen und Fanrängen wurden Logen und VIP-Räumlichkeiten und der Fußball, gemacht vom einfachen für den/die einfache(n) Mann/Frau, verkommt immer mehr zur luxuriösen Drehscheibe der modernen Globalisierung.
RW AHLEN, CL-SIEGER 2025?
Auch vor Deutschland macht die Lust auf das große Geld keinen Halt. Hannover 96 – Präsident Martin Kind machte sich unlängst für eine Modifizierung der “50+1″ Regel in der deutschen Bundesliga stark. Diese Regel an sich besagt, dass jeder Klub mindestens 51 Prozent seiner Vereinsanteile in eigenen Händen behalten muss. Eine mehrheitliche Übernahme durch Investoren ist dabei also ausgeschlossen. Die einzigen Ausnahmen bilden dabei die Werksmannschaften Bayer 04 Leverkusen (Bayer Werke), Vfl Wolfsburg (VW) und der TSV 1899 Hoffenheim (Dietmar Hopp). Kind ist der Ansicht, dass jeder Verein selbst über die Aufteilung seiner Anteile entscheiden sollte. Die Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Basis sei laut dem 96 – Präsidenten nicht gewährleistet, sollte die 50+1 Regelung in dieser Form erhalten bleiben. Im Gegenzug erläuterte Eintracht Frankfurt-Boss Heribert Bruchhagen, dass man das Beispiel “Premiere League” kritisch betrachten muss. “Die Traditionsklubs sind das Salz in der Suppe und immens wertvoll für den Marktwert der deutschen Bundesliga”, nahm er beim DSF-Doppelpass vor wenigen Wochen Stellung. Die deutsche Bundesliga fährt mit ihrem Konzept der soliden und fannahen Ligaverwaltung sehr gut. Eine Entfremdung der Traditionsvereine durch ausländische Investoren wäre der nächste große Schritt in Richtung Bedeutungslosigkeit. Auch wenngleich Vereine wie Hannover 96 oder der Vfl Bochum durch geschickte Mäzensuche wohl vom Champions – League – Finale 2025 träumen könnten – der Fußball würde immer mehr zum Spielball der Mächtigen und Geldigen werden. Die erste Abstimmung zur Abschaffung der 50+1 Regel wurde übrigens mit bedeutender Mehrheit abgelehnt. Noch!
ONE WAY TICKET
Wie man diese Flut an Kommerzialisierung stoppen kann, ist die entscheidende Frage. Ich würde jetzt gerne Hoffnung verbreiten und zur globalen Solidarisierung aufrufen. Jedoch sehe ich keinen Weg, diesen mittlerweile schon stürzenden Stein der Zeit aufzufangen. Lediglich eine Generalüberholung unserer gesamten Gesellschaft könnte da noch eventuell was bewegen und dies ist wahrlich zuviel gewollt. Auch für den König Fußball. Als Beispiel fallen mir die Fans von Manchester United ein, die wochenlang gegen den Verkauf ihres Herzensvereins gepoltert haben. Endergebnis: Die treuesten Fans von Manchester gründeten ihren eigenen Klub. Der “FC United of Manchester” startete in der letzten Liga Englands wieder von vorne. Ob man diesen Verein irgendwann mal auch in der Premiere League spielen sehen wird, bleibt wohl eher ein unerfüllter Wunsch. Das nötige Großgeld ist aus dem Profi – Fußball nicht mehr weg zu denken. Auch in Österreich gab es einen ähnlichen Fall, als Didi Mateschitz den Salzburger Traditionsverein Austria Salzburg übernahm und ihn mit neuem Gründungsdatum, neuen Vereinsfarben und neuer Ideologie zum Werksteam seiner Gesöff-Firma umbaute. Die Fans der violetten Austria versuchten alles, um dieses Vorhaben zu unterbinden. In ganz Europa waren Spruchbänder gegen das Mateschitz – Regime zu lesen. Aber auch hier verlor der Fußballfan. Austria Salzburg begann ebenso in der untersten Liga Österreichs und bereits nach wenigen Jahren kräht kaum noch ein Hahn nach dieser unglaublichen Schandtat.
NICHTS BLEIBT SO WIE ES IST
Insofern können wir Fans vom LASK uns noch glücklich schätzen, Anhänger einer aussterbenden Art von Fußballvereinen zu sein. Unser Club ist nämlich der einzige in Österreichs Oberhaus, der seit der Vereinsgründung auf den Verkauf seiner Namensrechte verzichtete. Wie lange dies noch tragbar ist, ist rein eine Sache des Marktes. Ich bin der Meinung, dass auch hier irgendwann Überlegungen zu einem Verkauf, sowie weitere Maßnahmen zur horrenden Geldvermehrung angestellt werden. So sehr ich mir auch das Gegenteil wünschen würde. Bis dahin heißt es für uns Fans, uns ständig für Tradition und fannahen Fußball einzusetzen. Denn wenn der Tag kommt, bleibt uns Wohl oder Übel nur noch ein Gang in eine andere Liga, wo nicht unbedingt das Geld, sondern die Liebe und Leidenschaft zum Verein und seiner Stadt an erster Stelle steht. Aber wenn es beruhigt – das Spiel bleibt ja das Selbe. 22 Hanseln, die einem Ball nachjagen.